Verhaltenstherapie (Schematherapie)

Die Patienten werden als aktive, selbstverantwortliche Individuen betrachtet. Während der gesamten Therapie sind die Patienten aufgefordert, sich aktiv zu beteiligen und Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen. Der Therapieprozess baut auf Zusammenarbeit und gemeinsame Entscheidungen auf.

In der Metaanalyse von Jones et al.(2004) finden sich folgende Kriterien für Kognitive Verhaltenstherapie:

  • Die Intervention regt den Patienten an, Zusammenhänge zwischen Denken, Fühlen und Handeln in Bezug auf das Zielsymptom zu entdecken. ·
  • Die Intervention zielt auf die Korrektur von Fehlwahrnehmungen, irrationalen Überzeugungen und kognitiven Verzerrungen in Bezug auf das Zielsymptom. ·
  • Die Intervention fördert beim Patienten die Suche nach einer angemesseneren Bewältigung der Zielsymptome.

Innerhalb einer Behandlung nach der Schematherapie sollen die beim Patienten wirksamen Schemata identifiziert werden. Als klärungsorientierter Bestandteil der Therapie ist es für den Patienten bedeutsam, zu verstehen, wie es zur Entwicklung der einzelnen Schemata kam, um sie zu verändern. Für diesen Veränderungsprozess werden bestimmte Behandlungsstrategien angewendet, die laut Young erst durch auch erlebnis- und handlungsorientierte Anteile verhaltensändernd wirksam werden. Dabei kommt dem Prozess der therapeutischen Beziehung eine zentrale Bedeutung zu, durch den der Patient nachträglich seitens des Therapeuten begrenzt elterliche Fürsorge erleben kann, die seine Kernbedürfnisse erkennt und erfüllt. Unter die 5 Kernbedürfnisse fallen nach Young folgende:

Sichere Bindung an andere;
Autonomie, Kompetenz, Identitätsgefühl;
Setzen realistischer Grenzen;
Freiheit, Wünsche und Gefühle auszudrücken;
Spontaneität und Spiel.

Bisher wurden 18 maladaptive Schemata festgestellt, von denen meist mehrere bei Patienten auftreten.Wenn Patienten mit Situationen konfrontiert werden, die an Gegebenheiten aus der Vergangenheit erinnern und zur Entstehung des Schemas beitrugen, wird dieses aktiviert. Für die Betroffenen resultieren daraus beherrschende Emotionen wie Panik (z.B. im Gefolge von Verlassenheit), Trauer (z.B. bei Emotionaler Entbehrung), Scham (Unzulänglichkeit/Scham) oder Schuldgefühle (Selbstaufopferung).

Um diese belastenden Emotionen bewältigen zu können, reagieren Klienten/Patienten auf die Aktivierung eines Schemas mit drei möglichen Kompensationsmechanismen: "Fight" Überkompensation, "Flight" Vermeidung oder "Freeze" Erdulden. Diese dysfunktionalen  Bewältigungsstile führen dann in der Folge zum Auftreten von Störungen/ Störungsbildern. Der Bewältigungsstil "Freeze" Erdulden tritt häufig in  der Form von Unterwürfigkeit, übersteigerter Compliance oder Abhängigkeit in Erscheinung. Das "Flight" Vermeiden zeigt sich häufig in der Form von Substanzmissbrauch; ständiger Stimulation, z.B. zum Workaholic werden; sozialem Rückzug, emotional auf Distanz bleiben. Die Bewältigung durch "Fight" Überkompensation bildet die Grundlage für Strategien wie aggressivem Verhalten, Perfektionismus, Anspruchshaltung, Manipulation oder Drohung und Ausbeutung.

Aus diesem Grunde sind diese Verhaltensweisen gut verstehbar und daher für die Zukunft veränderbar, wenn die grundlegenden Auslösebedingungen erkannt und verstanden werden.